Schule, Schule, Schule.......
An die Schulzeit erinnern wir uns ja alle, allerdings mit unterschiedlichen Gefühlen: Die einen mit Vergnügen, die anderen mit Grauen und viele sicher auch mit Vergnügen und Grauen (ganz zu schweigen vom Gefühl der Langeweile, das leider oft genug vorherrschend war.)
Bevor Harster Bürger(innen) zu Wort kommen, die sich an ihre Schulzeit erinnern, hier noch ein kurzer Abriß zur Harster Schulgeschichte.(s. auch Plesse-Archiv, Heft 12, S.146ff):
1829 wurde das Schulgebäude beschrieben als eines der ältesten Gebäude in Harste und so beschaffen, dass das Leben des Lehrers und seiner Familie nicht mehr sicher sei (was vermutlich nicht jeden Schüler traurig stimmte).
1837 wurde dann endlich die jetzt noch am Gänsemarkt stehende Schule gebaut (Kostenaufwand: 1592 Reichstaler), die bis 1952 ihre Funktion erfüllte
So, genug der sehr unvollständigen Theorie, nun lassen wir die Praxis sprechen (und wer aus Harste Lust hat, seine Schulerlebnisse ebenfalls zu erzählen, der sollte sich melden bei Luten Harms, Kirchwinkel 4)
Hier einige Interviews die schon von Luten Harms geführt
wurden
Erzähle mal!
( z.B. über die Schule )
Elsbeth Rubbert, Jahrgang 1920
" Na, die alte Schule kennste ja, am Gänsemarkt. Da mussten wir hin. Ostern 1926 war das, da wurde ich eingeschult. Aber das war nicht so wie heute. Ich hatte `ne neue Schürze um, einen Tornister, schön mit zwei Wischlappen dran und `ne Tafel. Und dann zur Schule hin. Allein. Ich war die drittjüngste, und ich musste ganz vorne hin, direkt vor das Pult vom Lehrer. Das war nämlich so: Die jüngsten saßen ganz vorne, und die ältesten ganz hinten. Zwei Klassen waren da. Die waren beide auf der rechten Seite, wenn du vor der Schule stehst. Links wohnte der Lehrer. 4 Jahre mussten wir in die zweite Klasse und dann 4 Jahre in die erste. So war das damals. Und wenn man gut war, dann kam man schon früher in die erste Klasse."
"Wann begann der Unterricht?"
Also, im Sommer um 7.00 und im Winter um 8.00. Und jeden Morgen Religion. Es ging immer mit einem Lied los. Wenn ich heute in die Kirche gehe, ich brauche kein Gesangbuch. Kennst du das Lied von der Glocke? "Fest gemauert in der Erden steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute muss die Glocke werden! Frisch, Gesellen, seid zur Hand! Von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß........" Junge, was mussten wir viel auswendig lernen , damals! Und da gab es ja immer welche, die konnten es nicht und fingen dann an zu stottern, dann kriegste zu viel , wenn du das denn kannst und die konnten nicht weiter...."
"Wie war das mit den Strafen?"
Naja, nicht so wie heute! Für die Jungen gab es den Stock. Die mussten sich auf die Bank legen, und dann gab es welche. Bei den Mädchen war das anders. Ich musste mal eine Berichtigung machen, und immer wieder war was falsch. 5 oder 6 mal war was falsch, und da hab ich das Heft hinter die Tafel geschmissen ! War ja auch nicht richtig von mir, aber dann gab es die Strafe: Ich musste die Backen aufblasen, und dann gab es einen Knall. Und dann musste ich mich vorne auf die Bank setzen, die nannte sich "Eselsbank". So war das! Die Jungen mussten sich über die Bank legen und die Mädchen mussten immer die Backen aufblasen.....
Und dann natürlich Strafarbeiten! Wenn man in der ersten Klasse war, konnte man gut auf den Gänsemarkt gucken. Wenn der Lehrer merkte, dass man `nen langen Hals machte und nach draußen guckte, dann musste man 50x aufschreiben: "Die Giraffe ist ein Tier mit einem langen Hals."
"Wie war das mit dem Lernen ? Hattest du das Gefühl, genügend gelernt zu haben?"
"Was wir brauchten, ham wir gelernt. Aber es war zu viel Wechsel da. Zu viele Lehrer.!"
"Wenn du jetzt auf deine Schulzeit zurückblickst, was denkst du da?
"War `ne schöne Zeit!"
Ich hatte ja n andern Lehrer, nicht Herrn Brecht. Ich hatte Herrn Tielbörger, der wohnte bei Gertrud Rubbert, oben drauf.
"Oben drauf?"
Ja, in der 1. Etage, da hatte er ein Zimmer. Der sammelte ja allerhand Tierchen. Der hatte Fische, da mussten die Jungen immer Würmer sammeln. Und Schmetterlinge sammelte der. Der war son Sammler, der war ja noch ledig.
Bei uns war das sonst so wie bei Elsbeth Rubbert. Links die Mädchen , rechts die Jungen, und denn immer nachm Jahrgang. Ich saß zum Schluss ganz oben, weil ich die älteste war. Im Jahrgang ging das nach Monaten. Und mit der Eselsbank war das bei uns auch noch. Wer was verkehrt gemacht hatte, der musste da drauf. Und der Lehrer Tielbörger, der hatte son kleinen Stock, sone Rute, und wenn man was verkehrt gemacht hatte, da musste man nach vorn kommen, dann nahm er seinen Stock, diesen kleinen Stock, und denn hat er einen angeguckt, der Stock kam unters Kinn, und denn musste man sich unterhalten.
"Also, geschlagen hat er nicht?"
Nee, gehauen hat er nicht, doch bei den Jungen schon, vor allem der eine aus Emmenhausen, der kriegte immer ne Wucht.
"War er denn ganz beliebt?"
Och ja, aber der hatte immer so viel Schinn auf dem Kopf.
"Schinn?"
Ja, Schuppen, und wenn er denn seine Jacke anhatte, dann war immer alles voll.
"Hatte sich denn 33, als Hitler an die Macht kam, was geändert?"
Das weiß ich nicht mehr so genau. Ich bin ja denn zur Mittelschule.
Aber ich weiß noch aus der Konfirmandenzeit - wir mussten ja immer nach Gladebeck in Harste gab es ja keinen Pastor zu der Zeit und ich kam dann um 2 (Uhr) aus der Schule und dann mussten wir von Lenglern nach hier und dann gleich nach Gladebeck also ich musste eigentlich zum Konfirmandenunterricht, aber da war das große Parteifest hier auf dem Thie (1939), und hier war Hochbetrieb, und ich musste helfen, und da bin ich denn nicht hin zur Konfirmandenstunde. Aber was meinen Sie, da hab ich vielleicht ein Ständchen gekriegt von Pastor Heims, da bin ich ja runtergeputzt worden, der wollte mich gar nicht konfirmieren . Der Heims, der war mit den Nazis nicht gut, das merkte man ja auch an seinen Predigten "Das macht ihn ja sehr sympathisch"
Ja , das war er auch!
"In Göttingen,als Sie dort zur Schule gingen, haben Sie dort etwas gemerkt von der Nazizeit? z.B. dass man mit einem Mädchen, mit dem man vorher immer zusammen war, plötzlich nicht mehr spielen durfte und das dann irgendwann einfach weg war?
Nein, da war keins. Aber ich weiß noch aus der Nazizeit, als das passiert war mit den Juden, dass man nicht mehr mit ihnen reden durfte, da war einer aus Adelebsen, der mit Vieh händelte, das war ein Jude, und Onkel Erich, der hatte ja auch Land in Emmenhausen, war zu Fuß dahin. Und als er wieder nach Harste wollte, kam der Katzenstein - ich glaube, so hieß er mit seinem Wagen vorbei und hat den Onkel Erich mitgenommen, d.h. Onkel Erich hat sich hinten draufgestellt und ist mit nach Harste reingefahren. Och, was meinen Sie, was da los war. Die wollten Onkel Erich an Kragen, nur weil er da mitgefahren war. Nee, hier durfte sich keiner rühren.
Den Müller aus Parensen der war nicht so freundlich mit den Nazis da sind se aus Harste hin , die SA, und haben ihn innen Schweinebauer gesteckt und sind mit dem durchs Dorf gefahren. So war das hier.
Ach so, und eins weiß ich noch. Unsere Oma Köchermann, die hat ja den Mann früh verloren, und die war ja dann mit ihren 13 Kindern allein, die hatte es ganz schwer. Die hat Gänse gehabt und zum Verkauf dann nach Göttingen gebracht, in son kleinen Laden im Papendiek, der gehörte jüdischen Menschen, und die Frau, die war ja immer so lieb und freundlich zu uns, die wusste auch, dass die Oma so allein stand mit den vielen Kindern, die hat se dann immer so gut bedient. Ja, und auf einmal war der Laden weg und sie auch.
Wann wurdest du eingeschult?
Also, das war 1937
Welche Lehrer?
Moment mal, muss ich überlegen! Also Kröger war da und Tiedge. Tiedge war für die älteren und Kröger für die jüngeren, oder? ...Ja, ja, so war das!
Und die Aufteilung war noch wie zu Elsbeth Rubberts Zeiten? In der 2.Klasse waren die jüngeren Jahrgänge und in der 1.Klasse die älteren?
Ja, genau. Also, an die erste Zeit erinnere ich mich nicht mehr so gut. Aber dafür um so mehr an die Zeit mit Tiedge.! Junge, Junge, jede Menge Schläge! Wir drei Herbert Bühnert, Helmut Bachmann und ich wir waren immer unmöglich -
was ham wir für Senge gekriegt!!
Aus welchem Grund?
Na, weil wir immer was ausgefressen haben! Keine Schularbeiten gemacht, geraucht, Netz geklaut und Forellen gefangen und so......
Ich hab mal 3x hintereinander keine Schularbeiten gemacht, und beim dritten Mal hab ich gesagt, meine Hefte sind zu Hause. Da hat mich der Tiedge nach Hause geschickt, Hefte holen. Und unterdessen hat er meine Schultasche kontrolliert, und da waren die Hefte natürlich drin. Was meinst du, was ich da für Senge gekriegt habe?!
Wie? Musstest du dich über die Bank legen?
Nee, Holm anfassen an der Tafel und dann bücken. Manchmal konnte man nachher nicht mehr richtig sitzen, so weh tat das. Aber der Tiedge hat viele Stöcker gebraucht, Haselnussstöcker! Die ham wir nämlich mit Zwiebeln eingerieben, und wenn er denn einmal zuhaute, dann peng .... war der Stock kaputt.
Manchmal, wenn wir wieder was ausgefressen hatten, ahnten wir das schon: In der Schule gibts wieder welche! Dann schon vorher die Lederhose angezogen, Heft rein und dann die lange Hose drüber. Aber das knallte dann so, und der Tiedge hat das gemerkt, und dann mussten wir die lange Hose und die Lederhose ausziehen. Und dann.......oh..oh..oh..!!
Und die Eltern fanden das in Ordnung?
Och, das durften wir nicht zu Hause sagen, dann hätten wir ja noch welche gekriegt!
Also, ihr habt auch Prügel für Sachen bekommen, die gar nichts mit der Schule zu tun hatten?
Na klar, die Leute kamen in die Schule und beklagten sich. Was meinst du, wenn wir nachmittags den Tiedge oder Kröger sahen, dann aber die Mütze vom Kopf und Diener gemacht. Wehe, wenn nicht!
Deine Schulzeit war ja zum großen Teil auch Kriegszeit. An was erinnerst du dich da besonders?
Oh, an den Fliegeralarm natürlich. Den gab es im letzten Kriegsjahr oft. Wir mussten dann sofort nach Hause. Da fiel dann oft die Schule aus.
(Gisela Cohrs: Und die Emmenhäuser, die mussten dann nachm Kirchenhof, da, wo heute Wollny wohnt. Da mussten wir immer hin, da in den Keller.)
Ja, und zum Schluss, da mussten alle bis Jahrgang 30 noch zum Volkssturm! Also die Alten und die Jungen. Aber ich war ja Jahrgang 31, ich brauchte nicht, zum Glück!
Wenn du heute an deine Schulzeit denkst, wie hast du sie erlebt?
Wie ich sie erlebt habe? Was soll ich dazu sagen? (lacht) Also, halbe/halbe würd ich sagen. Wenn ich die ganzen Schläge nicht mitrechne, die ich gekriegt habe, wars ganz o.k.!
Adolf Deibert, Jahrgang 1940 Interviewt März 2001
Also erst mal muss ich sagen, ich bin ein anatomisches Wunder, und zwar: Ich bin am 18.Mai 1940 geboren, und in meinem Zeugnis stand: Eingeschult am 26. April 1940. Also, ich war zwar noch nicht auf der Welt, aber trotzdem schon eingeschult. Naja, die hatten sich verschrieben.
Eingeschult wurde ich natürlich 1946. Und ich erinnere mich auch noch an den ersten Schultag. Zuerst gingen wir in die Kirche, das war okay, da war ja auch noch die Mutter dabei. Aber dann hieß es: "Und jetzt geht ihr noch mal in die Schule !", und die Mutter ging weg. Ich muss sagen, dass ich da Angst bekam. Aber da hat sich dann meine Mitschülerin Lisa Witte neben mich gesetzt, und die hat mich ein bisschen getröstet.
Und dann erinnere ich mich auch noch an die Geschichte mit den Zuckertüten: Die meisten hatten eine bekommen, nur ich nicht. Aber als ich fotografiert wurde das machte man damals auch schon - , da wurde mir dann die Zuckertüte von Brunhilde Wellhausen in die Arme gedrückt. Das hat mich schon sehr geärgert damals.
Erinnern Sie sich noch an Ihre Lehrer?
Ja. Den ersten, den wir hatten, das war Herr Kröger, das war ein älterer Herr aus Lenglern. Der kam immer mit dem Fahrrad. Ich weiß noch, der war wohl etwas lungenkrank und musste häufiger spucken. Der hat dann einfach das Fenster aufgemacht und ...raus! Einfach so? Ja, schön hochgezogen und dann...........Das war der alte Kröger. Aber sonst war er ein guter Lehrer. Geschlagen und so, das hat er nicht. Wüsste ich nicht.
Aber dann war da noch ein Lehrer Diekmann, der war nur kurz da, aber der war rabiat. Der hatte die Angewohnheit, einen an der Kehle zu packen und die Haut unter dem Kinn lang zu ziehen und dann umzudrehen. Hat er bei mir auch gemacht! Warum? Weiß ich nicht mehr.
Der Diekmann war ja 1949 da. In dieser Zeit hatte die Schülerzahl mit 243 ihren Höchststand erreicht. Wie wurden die Kinder bei zwei vorhandenen Klassenräumen unterrichtet?
Im alten Amtsschreiberhaus- da, wo heute die Volksbank steht wurde noch eine Klasse eingerichtet. Da musste ich auch hin. Da hatten wir eine Lehrerin, die war etwas gehbehindert. Langen hieß die. An die erinnere ich mich noch ganz gut, weil sie bei uns immer Milch holte. Die wohnte bei Hinze.
Ich habe den Namen in der Schulchronik gelesen. Sie war von 1947 50 hier als 3. Lehrkraft eingestellt. Die Gehbehinderung war durch eine Lähmung entstanden.
Also, die Frau Langen war sehr nett. Ich hatte auch noch andere: Den Lehrer Heyn, August Heyn, dann den Vieweg das war son Schleimer, der konnte immer gut mit Mädchen, die hat er bevorzugt, hatte man den Eindruck und dann zuletzt noch Prange, Willi Prange. Der war son verbitterter Mensch, der mochte mich nicht so, und der sagte dann oft:" Der Deibert, den juckt woll der Haber!" Der hat mich mal rundgemacht vor der Klasse, weil sich der alte Köchermann bei ihm beschwert hatte.
Und zwar nur, weil ich den wohl mal nicht gegrüßt hatte. Das war ja früher so. Da liefen die Leute gleich zum Lehrer.
Erinnern Sie sich noch an irgendwelche Streiche?
Wüsste ich nicht. Man hatte ja doch einen gewissen Respekt, und der Respekt überwog. Ich war ja damals auch ein bisschen ängstlich. Aber eine Geschichte will ich hier mal erzählen das war ja auch so eine Art Streich da hab ich, als die passiert war, tagelang nicht schlafen können, und zwar:
Früher war es ja so, da gab es sehr viele Spatzen, die wurden bekämpft. Wenn man Nester ausnahm und tote Spatzen abgab, dann bekam man dafür Geld. 1x die Woche konnte man die bei Nörtemann also in dem Haus, wo die Sparkasse ist abgeben. Der hatte son kleines Fenster in seiner Tischlerwerkstatt, und dann bekam man 5 Pf für den Spatz und 2 Pf für das Ei.
Das hatte sich schnell rumgespochen, dass es dafür Geld gab, und jeder überlegte, wo man gut an Spatzennester rankommen konnte. Im Kirchturm natürlich. Die Frage war nur, wie kommt man da rein? Also, wenn man am Eingang vorbei weiter geht, kommt man ja noch an eine 2. Tür. Da war zwar keine Klinke dran, aber in das Viereck, wo früher die Klinke drinsteckte, da wurde dann folgendes gemacht: Da wurde son Holz vierkantig geschnitzt und reingesteckt und .. knack.. war die Tür auf.
Ich war nur einmal mit dabei, ein einziges Mal. Ich hab auch nur geguckt, da waren noch ältere dabei, die sind dann hoch in den Kirchturm und ham die Nester ausgenommen. Und dann weiß ich noch, wir wollten wieder raus, und einer steckte das Holz wieder in das Viereck und....knack....brach das ab, und wir konnten nicht mehr raus. Und dann kam auch noch die Mutter von Frau Lahmann, von Ohle hieß die, vorbei, und die hörte uns wohl und die rief dann:"Ick segg et den Pastor!"
Gott sei Dank hatte da einer sein Taschenmesser dabei, der hat das dann reingesteckt, und dann ging die Tür doch auf.
Und dann hat sich das rumgesprochen bis zum Pastor der Cremer war das - , und dann kriegten alle, von denen er wusste, dass die dabei waren, einen Brief, einen blauen Brief praktisch. Die mussten dann, glaub ich, 1,50 DM bezahlen. Was meinen Sie, ich hab tagelang nicht geschlafen und vor Angst geschwitzt, dass ich auch son Brief kriege ! Weil ich sonst zuhause Schwierigkeiten bekommen hätte.Aber ich hab keinen gekriegt!!!
Sie haben ja 1952 den Umzug von der alten in die neue Schule miterlebt. Erinnern Sie sich noch daran?
Ja, aber da gab es keine besonderen Vorkommnisse. Wir haben uns schon gefreut auf die neue Schule, aber sonst? Wüsst ich nicht!
Die Sporthalle gab es da ja noch nicht. Wie haben Sie Sport gemacht?
Auf dem Sportplatz hinter dem Berg. Da erinnere ich mich auch noch an das 1. Sportfest. Laufen, Springen, Werfen, das war ja der Dreikampf. Da gibt es auch noch n schönes Bild. Ich war ja mit der kleinste und hatte sehr viele Punkte und kriegte dann ne Urkunde und nen großen Kranz, aus Eichenlaub war der. Als ich dann nach Hause kam, da waren die Mutter und die anderen gerade in der Scheune beim Kartoffeln auslesen, und ich kam dann ganz stolz mit meinem Kranz da an, das war schön.
Erinnern Sie sich noch an den Sportunterricht in der alten Schule?
Ich weiß nicht, ich glaube, wir hatten da gar keinen Sport. Was aber wunderbar war, das war das Fußball spielen in den Pausen, und zwar auf dem Platz zwischen Kirche und Pastorengarten. Da waren zwar Steine, und um den Baum musste man immer rumspielen, aber das war so schön.......man durfte da auch immer mit den Großen mitspielen. Der Ball flog da oft in den Pastorengarten, aber da war n Loch im Zaun, und dann wurde geguckt, ob die Luft rein war, und denn schnell den Ball geholt und weiter gings. Das war ne herrliche Zeit!
Damals gab es ja nur 8 Pflichtschuljahre. Sie sind also 1954 entlassen worden ?
Ja. Ich hätte wohl auch auf die Realschule gehen können, aber damals war das klar, dass ich den Hof übernehme. Da dachte man gar nicht an so was. Man wurde ja auch möglichst schnell als Arbeitskraft gebraucht.
Wolfgang Alder, Jahrgang 1951 Interviewt Juni 2001
Du wurdest 1957 eingeschult?
Ja, aber ich wollte schon 1956 hin, und zwar wegen meiner Kumpels. Ich wohnte damals auf der Domäne, in dem Haus, wo heute das Cafe ist. Wir waren da alle in einer Bande, in der Domänenbande, und all die Kumpels, die dabei waren, kamen zur Schule, und ich wollte natürlich mit. Damals war ja noch Ostern Einschulung. Ich wurde zwar im Sommer erst 6, aber den Schulreifetest, den hab ich bestanden, nur ich wog zu wenig. 40 Pfund hätte ich haben müssen, aber ich hatte nur 38.
Weißt du noch, mit wem du 1957 eingeschult wurdest?
Oh ja, das weiß ich noch ganz genau.
Aber ich hab hier auch’n Bild von der Einschulung. Der Georg Schocke und die
Elke Freiberg, die waren auch dabei, aber die fehlen hier. Das hier ist die
Christiane Fuß und die Inge Wellhausen, dann hier die Monika Siebert aus
Emmenhausen, Ursula Hammer, Roswitha Niwa, Kalli Hartmann, Willhelm Herwig und
die Elke Winzenburg, alle aus Emmenhausen, Karl- Heinz Habelmann, der Lehnhardt
und ich. Aus Emmenhausen kamen fast genauso viel Kinder wie aus Harste.
Und dann kann ich mich noch genau erinnern, wie das Bild gemacht wurde. Wir
waren schon 3-4 Wochen in der Schule, dann kam erst der Fotograf. Auf das Bild
sollte ‘ne große Schultüte mit drauf. Ich wohnte in der Nähe, und deshalb musste
ich meine holen. Aber ich durfte sie dann nicht halten, obwohl es meine war. Die
Ulla Hammer sollte sie halten. Weil sie die Schönste war, hat er gesagt.
Ihr wart also mit 13 Kindern im 1. Schuljahr, aber das 2. Schuljahr gehörte auch dazu, oder?
Ja, 1. und 2. Schuljahr waren in einer Klasse, 3.und 4. Schuljahr waren zusammen, und dann das 5.-8. Schuljahr.
Wen hattest du am Anfang als Lehrer?
Wir hatten ‘ne Lehrerin, Frau Herzner hieß die. Die hatten wir die ersten 2 Jahre.
Wie fand’st du die?
Also, ich fand die ganz toll. Da gab’s kein böses Wort, die war immer so mütterlich, und vor allen Dingen: Wenn man gut mitgemacht hat im Unterricht, dann kriegte man so’n Strich an die Wange, und dann war man stolz wie Oskar, wenn man nach Hause ging. Im Dorf, die wussten dann schon, oh, der war wieder gut heute.
Nach der 2. Klasse hattet ihr jemand anders?
Ja, da hatten wir erst mal den Herrn
Bielefeld, und in der 4. Klasse kam dann der Herr Hofbauer dazu. Aber mit dem
Bielefeld ist mir eine Geschichte passiert, die vergess ich auch nicht. Die
Sommerferien waren zu Ende, und wir mussten ‘nen Aufsatz schreiben, was wir so
in’ Ferien gemacht haben. Und da hab ich das mit den Spatzen geschrieben. Der
Adolf Deibert, der hat das ja auch erzählt. Nur, wir haben die Spatzen zum alten
Müller gebracht. Wir sind durch den Flur an der Gaststätte vorbei auf’n Hof und
haben dann die Spatzen auf die Mauer von’ner Miste schön der Reihe nach
hingelegt. Der alte Müller hat sie dann gezählt, und dann gab’s für’n Spatz 10
Pf und für’n Ei 5 Pf. Und darüber hab ich den Aufsatz geschrieben. Alles schön
haarklein erklärt, ‘n schöner Aufsatz war das!
Der Bielefeld hat die Aufsätze dann zurückgegeben. Der hat das immer so gemacht,
wer ‘ne 4 oder schlechter hatte, die kamen zuerst, dann die mit ‘ner 3 usw.. Und
dann war er schon bei denen mit ‘ner 2, und ich war immer noch nicht dran. Oh,
dacht ich, das wird bestimmt ‘ne 1, das muss ‘ne 1 sein. Da hab ich mich schon
gefreut. Und dann sagt er zu mir: „Mit deinem Aufsatz bin ich überhaupt nicht
zufrieden, da muss ich mal mit deinen Eltern reden!“ Ich wusste gar nicht, wie
mir geschah! Ich war natürlich schwer enttäuscht! Der ist denn auch zu meinem
Vater hin, aber der hat nur gesagt: Wenn das die Kinder nicht mehr machen
sollen, muss eben das Gesetz geändert werden.
Wie bist du mit dem Hofbauer ausgekommen?
Also, das war’n Lehrer, kann man gar
nicht beschreiben. Der war ganz ausgeglichen.
Was ich in den anderen Interviews gelesen habe, Schläge und so, das gab’s nicht,
nicht bei Hofbauer. ‘ne Backpfeife von Grimm, die gab’s schon mal, aber Schläge
mit’m Stock, das gab’s nicht mehr.
Den Hofbauer hast du bis zum Schluss gehabt?
Ja, hier in Harste hab ich den bis zum Schluss gehabt. Aber ich musste ja noch das 9. Schuljahr machen, und das war in Weende.
Wie kamt ihr dahin?
Da gab’s schon ‘n Schulbuss. Wir wurden gebracht und wieder abgeholt. Die Jahrgänge davor, die haben das 9. Schuljahr noch in Lenglern in der Muna gemacht.
Du bist 1966 fertig geworden. Erinnerst du dich, wenn du an die Zeit zurückdenkst, an irgendwelche Streiche?
Na ja gut, Streiche!? Also, wir
fuhren in einem Winterhalbjahr 1x die Woche nach Geismar ins Lehrschwimmbecken.
Wir waren so 12/13 Jahre alt. Da sollten wir ja nun schwimmen lernen. Aber das
Wasser war nicht so hoch, da konnte man noch gut stehen. Na, wir haben da
eigentlich nur Blödsinn gemacht. Wir haben da viel Spaß gehabt, nur schwimmen
haben wir nicht gelernt. Wenn wir schwimmen sollten, haben wir immer
geschummelt: Oben so getan, als wenn wir schwimmen und unten nur gelaufen.
Und dann sollten wir den Freischwimmer machen. Wir, 13 oder 14 Kinder und Herr
Hofbauer, sind in das ganz alte Stadtbad gefahren – das war auch in der
Gothmarstraße – und dann sollten wir beim Schwimmlehrer die Prüfung ablegen.
Wir mussten alle rein, und das Wasser war ja tief, oh, da ging uns die Muffe,
oh,oh,oh,oh !!! Drei Züge konnte ich vielleicht! Ich bin ganz am Rand geblieben,
3 Züge geschwommen und schnell wieder am Rand festgehalten. Hofbauer merkte das
natürlich und schickte mich raus, dann den nächsten, den nächsten.....von den 13
oder 14 Kindern haben 2 die Prüfung bestanden.
Das war ja eigentlich eine Blamage für den Hofbauer, oder?
Ja, für ihn schon. Für uns war das nicht so schlimm. Wir haben soviel Spaß da in Geismar gehabt, da war das Schwimmen gar nicht so wichtig.
Hast du in der Schule auch Fußball gespielt?
Nee, überhaupt nicht! Wenn wir im Sommer Sport hatten, dann mussten wir hinter’n Berg auf den Sportplatz, und dann gab’s nur Dreikampf: Laufen, springen, werfen!
Überhaupt kein Fußball, auch auf dem Schulhof nicht?
Nee, war verboten!
Wie bist du zum Fußball gekommen?
Also, Fußball hat mich schon immer begeistert. Ich hab‘ Schularbeiten gemacht, immer mit’m Fuß auf’m Ball. Und dann bin ich meistens alleine raus, auf der Domäne die Allee rauf und runter, immer die Bäume ausgekegelt. Richtig im Verein hab‘ ich erst mit 12 angefangen.
Ihr hattet ja keine Turnhalle. Wo habt ihr im Winter Sport gemacht?
Im Klassenraum.
Im Klassenraum?
Ja, vor der Stunde mussten wir die
ganzen Bänke und Stühle rausbringen, und dann haben wir aus dem Geräteraum diese
Matten rausgeholt, diese schweren Dinger. Und dann ging’s los: Kopfstand,
Handstand, Purzelbaum, Bodenturnen also. Und in so’ner Stunde habe ich mir auch
die einzige Ohrfeige geholt:
Die Stunde war aus , der Lehrer - Grimm war das – ging ins Lehrerzimmer, und
wir sollten die Matten wieder wegbringen. Wir haben zuerst noch weiter getobt.
Aber dann fingen einige an, die Matten rauszutragen, 4 Mann, an jeder Ecke
einer. Aber ich war noch beim Toben, ich sehe die 4 und mit so’m Hechtsprung bin
ich dann auf die Matte. Die vier flogen natürlich übereinander, und ich hatte
meinen Spaß. Aber nicht lange. Der Grimm war gerade aus dem Lehrerzimmer
gekommen und hat das gesehen. Da hat er mir eine geschallert, und ich saß schon
wieder auf der Matte.
Wenn du an die Schulzeit zurückdenkst, sind deine Erinnerungen da eher positiv oder eher negativ?
Also, die Harster Schulzeit fand ich sehr, sehr positiv. Nur das letzte Jahr in Weende war nicht so gut. Unsere Klasse wurde aufgeteilt, wir waren da nur noch zu zweit in der neuen Klasse, und da hab‘ ich mich nie so richtig wohlgefühlt. Aber an die Harster Schulzeit denke ich sehr gern zurück.
Bettina, wann bist du eingeschult worden?
1965, im April.
Ihr seid also noch Ostern eingeschult worden?
Ja, aber dann kamen die
Kurzschuljahre, weil ja ab 67 oder 68 das Schuljahr nicht Ostern, sondern nach
den Sommerferien beginnen sollte.
Nach 3 ½ Jahren war ich praktisch mit der Grundschule fertig.
Was weißt du noch von der Einschulung?
Direkt von der Einschulung weiß ich nichts mehr. Ich weiß, dass wir zusammen in der Kirche gewesen sind, mit Frl. Schlippe damals.
Frl. Schlippe (später Frau Pickerott) war dann also eure Klassenlehrerin?
Ja, die ersten 4 Jahre, dann hatten wir zwischendurch noch eine Frau Raupach, Handarbeiten war bei Frau Schuler. Herrn Hofbauer hatten wir noch, mit dem hatten wir manches Mal mit mehreren Klassen Singen, und dann hatten wir noch Herrn Grimm, aber das war wohl schon in der 5. und 6. Klasse.
Wie kamst du mit dem aus?
Der war ein bisschen strenger als die anderen, der hat gerne mit seinem Schlüsselbund geschmissen. Daran kann ich mich noch genau erinnern - das war in Religion - , da sollten wir was auswendig lernen aus’m Gesangbuch, und das hatte ich nicht! Und dann, ausgerechnet mich hat er dann rausgepickt und sagte: Nun , denn sag mal auf! Da hab‘ ich überhaupt nichts gesagt! Und dann hat er wieder gesagt: Nun sag auf! Und ich hab wieder nichts gesagt. Und dann hat er gefragt, warum ich das nicht könnte? Und denn hab‘ ich ihn angeguckt und hab gesagt, er könnte das ja schließlich auch nicht, er würde ja auch ablesen! Da hat er den Schlüsselbund genommen und wollt‘ ihn mir an‘ Kopf schmeißen. Ich hab mich aber geduckt, und der hinter mir hat den abgekriegt. Da musst‘ ich nach vorn kommen, und er hat mir ein Heft um die Ohren gekloppt.
Aber du bist sonst ganz gut mit ihm ausgekommen?
Ja, im großen und ganzen schon, denn er war gerecht und konnte eigentlich auch gut rüberbringen, was wir lernen sollten.
Erinnerst du dich noch an ein besonderes Erlebnis?
Ja, an eine Aufführung. Da sollte die Geschichte von Maria und Josef aufgeführt werden. Der Dirk Bönisch, der sollte den Josef spielen und Ilona Krause die Maria. Der Dirk, der hat zwei- oder dreimal geübt, und dann hatte er die Schnauze voll. Und dann war ja kein Josef mehr da , und dann hab‘ ich den Josef gemacht. Ich weiß selbst nicht mehr, wie ich an die Rolle gekommen bin, aber wahrscheinlich hatte Grimm keinen Jungen, der das konnte oder wollte, und dann hab‘ ich das gemacht.
Und, wie war’s?
Hat Spaß gemacht!
Nach der 6. Klasse war hier in Harste Schluss. Denkst du gerne an die Zeit zurück?
Ja, war schön. Schöner jedenfalls als in Bovenden. Da war alles viel unpersönlicher!
(Interviews:Luten Harms)
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